Die Sanierung des Leuchtturms 1973


Die erste große Sanierung nach dem Neubau des Leuchtturms wurde am 13.10.1972 mit einem Paukenschlag  eingeleitet. Dieser Vorfall wurde durch einen leitenden Mitarbeiter der Außenstelle Hauener Hooge des Amtes für Küstenschutz und Landgewinnung in einer etwas anderen Aktennotiz festgehalten. Auf einem aufgeklebtem Zeitungsbericht wurde vermerkt: “Am 13.10.72 bei der Deichschau äußerte sich Oberdeich- und Sielrichter Jannes Ohling wenn der Leuchtturm nicht bis zur Herbstschau 1973 in Ordnung sei, soll Oberamtmann J. Müller am Turm aufgeknüpft werden. 15.10.72 gez. Signatur.”
  Auch der Ort dieser Tat wurde auf dem Zeitungsausschnitt mit einem roten  Pfeil eingezeichnet .
Herr Müller sollte an der Reling aufgehängt werden.

Der “Ostfriesischer Kurier” vom 14.10.72 (links) hatte den Vorfall in etwas abgeschwächter Form beschrieben.
Aber die etwas voreilige Ankündigung des Oberbaurat Müller, der Pilsumer Leuchtturm soll ummauert werden, wurde dann doch nicht umgesetzt.

 

 


Der Oberdeichrichter Jannes Ohling (Foto unten) war für seine kräftige Sprache bekannt und gefürchtet. Gleichwohl besaß er hohes Ansehen, nicht zuletzt dafür, dass er sich für Ostfriesland und den Schutz der dort lebenden Menschen vor Hochwasser und Überschwemmungen durch den Deichbau einsetzte. Das er außerdem als Buchautor tätig war, ist dem selben Zeitungsausschnitt links zu entnehmen. Die Hauptdurchfahrtsstraße. durch Pewsum, in der auch die Deichacht zu Hause ist, ist nach ihm benannt worden.
 


Der unmissverständlichen Aufforderung durch Jannes Ohling, den Leuchtturm zu restaurieren, wurde 1973 nachgekommen. Die Deichbauarbeiten waren beendet. Der neue Deich wurde seeseitig am Leuchtturm vorbeigeführt, so dass dieser auf seinem Platz auf dem alten Deich stehen bleiben konnte. Der alte Deich ist ansonsten abgetragen bzw. überbaut worden, so dass nur noch das Stückchen, auf dem der Leuchtturm steht, erhalten geblieben ist. Der neue Deich überragte den alten, um stolze 2m. (Siehe Foto unten aus dem Herbst 1972.)

Zunächst wurde, wie bei den beiden folgenden Renovierungen auch, der Turm eingerüstet.
Da die Reling stark verrostet war (siehe hier), wurde diese komplett demontiert und die Tür nach Außen dauerhaft verschlossen. Zusätzlich wurde, weil man den Turm als Beobachtungsposten nutzen wollte, ein zusätzliches Fenster im Obergeschoss eingebaut, um so auch den nördlichen Teil des Deiches beobachten zu können. Dazu mußte im Obergeschoss innen die sich zwischen den Metallstreben befindliche Torffüllung entfernt werden, die durch Bleche abgedeckt war.  Dadurch wurden auch die runden Lüftungslöcher im Bodenbereich des Ober- geschosses freigelegt, die dann auch entfernt werden konnten. Ebenfalls verschlossen wurde der Ofen- rohrdurchlass an der Westseite des Mittelgeschosses.
Der Rost an der Außenhaut wurde durch Sandstrahlen entfernt, wobei an einigen Stellen an der Südostseite Löcher entstanden, die durch längliche Bleche überdeckt wurden. Ferner wurde auch noch ein Teil der Dachreling erneuert.

Nachdem die Blecharbeiten beendet waren, bekam der Leuchtturm 1973 zum erstenmal seinen neuen rot-gelben Anstrich (siehe hier). Die Angabe, die ich auf vielen Internet-Seiten und in anderen Publikationen gefunden habe, dass der Turm 1972 seinen Ringelanzug bekommen hat, ist definitiv falsch. Anscheinend wurde diese Jahreszahl immer wieder abgeschrieben und hat sich dann nach dem Motto. “so Viele können sich nicht irren!” als richtig durchgesetzt  ;-)

Abb. unten: Das erste Foto nach der Renovierung 1973, leider nur schwarz-weiß! Es ist auch eines der wenigen Fotos, die ich gefunden habe, die zwischen den Renovierungen 1973-1984 aufgenommen wurden. Dieser Zeitraum ist leicht zu erkennen, da der Leuchtturm schon rot-gelb gestrichen ist, aber noch nicht die kastenförmigen Verkleidungen der Lüftungslöcher  hat.  Sie wurden erst 1984 angebracht (siehe hier).